{"id":76,"date":"2013-10-29T02:24:05","date_gmt":"2013-10-29T01:24:05","guid":{"rendered":"https:\/\/bastelstube.ch\/?p=76"},"modified":"2024-09-03T02:29:23","modified_gmt":"2024-09-03T00:29:23","slug":"selbstbestimmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bastelstube.ch\/index.php\/2013\/10\/29\/selbstbestimmung\/","title":{"rendered":"Selbstbestimmung"},"content":{"rendered":"<p>Am Anfang m\u00f6chte ich das Gestalt-Gebet von Fritz Perls aus den 1970ern zitieren:<\/p>\n<p><em>Ich lebe mein Leben und du lebst dein Leben.<br \/>\nIch bin nicht auf dieser Welt, um deinen Erwartungen zu entsprechen \u2013<br \/>\nund du bist nicht auf dieser Welt, um meinen Erwartungen zu entsprechen.<br \/>\nICH BIN ich und DU BIST du \u2013<br \/>\nund wenn wir uns zuf\u00e4llig treffen und finden, dann ist das sch\u00f6n,<br \/>\nwenn nicht, dann ist auch das gut so.<\/em><\/p>\n<p>ENGLISH<\/p>\n<p><strong>I do my thing and you do your thing.<br \/>\nI am not in this world to live up to your expectations,<br \/>\nAnd you are not in this world to live up to mine.<br \/>\nYou are you, and I am I, and if by chance we find each other, it\u2019s beautiful.<br \/>\nIf not, it can\u2019t be helped.<\/strong> <\/p>\n<p><em>(Fritz Perls, \u00abGestalt Therapy Verbatim\u00bb, 1969)<\/em><\/p>\n<p>Ich bin immer wieder verbl\u00fcfft, wie viel Unverst\u00e4ndnis und gar Aggression mir entgegengebracht wird, wenn ich in Diskussionen die Demokratie in Frage stelle und darauf hinweise, dass doch jeder selber bestimmen soll, wie er sein Leben gestaltet. Ich weise jeweils auch gerne darauf hin, dass Staat und Gesellschaft nicht identisch sind. Staatliche L\u00f6sungen f\u00fcr gesellschaftliche Probleme basieren zu Ende gedacht immer auf Gewalt, indem Leuten gegen ihren Willen G\u00fcter in Form von Steuern und Abgaben weggenommen werden und mittels dem demokratischen Prozess eine Mehrheit eine Minderheit beherrscht.<\/p>\n<p>Die Demokratie als Entscheidungsprozess kann nur moralisch in Ordnung sein, wenn alle Teilnehmer dieses Prozesses in einer freiwilligen Gemeinschaft damit einverstanden sind und aus der Gruppe austreten k\u00f6nnen ohne gleich das Land Richtung \u201cSomalia\u201d verlassen zu m\u00fcssen. Was ist so ungeheuerlich an meinem Anspruch nach Gewaltlosigkeit und Freiwilligkeit? Muss ich unendlich dankbar und daher williger Teilnehmer in diesem Gewaltsystem sein, nur weil ich zuf\u00e4llig in diesem Land geboren wurde? Wie und wann habe ich dazu meine Zustimmung gegeben?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Schweiz im Vergleich zu anderen ein ziemlich freies Land und ich lebe gerne hier. Dennoch geht auch bei uns die Tendenz nicht Richtung mehr Freiheit, sondern weniger. Unsere Sozialsysteme sind langfristig nicht finanzierbar, auch unser Gesundheitswesen ist mittlerweile staatlich und nicht mehr freiheitlich. Sehen das meine Mitmenschen nicht? Fehlt ihnen die Distanz, die n\u00f6tig ist, um das System von aussen zu sehen?<\/p>\n<p>Oft liegt es vielleicht auch daran, dass meine Mitmenschen meinen, ich wolle SIE zu einem Systemwechsel zwingen oder ihnen etwas wegnehmen. Nun ja, ich m\u00f6chte ihnen tats\u00e4chlich die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber meinen Besitz wegnehmen. Ich m\u00f6chte nur f\u00fcr Leistungen bezahlen, die ich selber bestelle. In der freien Wirtschaft funktioniert das ja auch so: Ich kaufe Produkte und Dienstleistungen f\u00fcr mich und meine Familie, aber nicht f\u00fcr andere. \u00dcbrige Zuwendungen an ein \u201cGemeinwohl\u201d m\u00f6chte ich nur freiwillig leisten.<\/p>\n<p>Ja, ich m\u00f6chte \u00fcber die Fr\u00fcchte meiner Arbeit selber bestimmen und nicht, zum Beispiel, eine CO2-Abgabe auf mein Heiz\u00f6l bezahlen, nur weil die Schweizer Regierung meint, eine solche Abgabe bewahre das Weltklima. Welches Klima? Das von 1800 oder jenes von 1970? Eine L\u00f6sung w\u00e4re eine Schweiz-Mitgliedschaft light: Beitragszahlung f\u00fcr innere und \u00e4ussere Sicherheit (Milit\u00e4r und Polizei) und die Durchsetzung von Vertr\u00e4gen (Gerichte). Alles \u00dcbrige ist optional.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Anfang m\u00f6chte ich das Gestalt-Gebet von Fritz Perls aus den 1970ern zitieren: Ich lebe mein Leben und du lebst dein Leben. 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